Ein erster – ganz persönlicher – Eindruck aus Göttingen

Ein erster – ganz persönlicher – Eindruck aus Göttingen

Beitragvon Billibaloo » Di 27. Okt 2015, 17:04

Die Jahrestagung 2015 in Göttingen ist vorbei – und ich muss gestehen: ich bin froh! Froh, dass der Vorbereitungsstress ein Ende hat, froh, dass alles reibungslos funktioniert hat. Froh aber vor allen Dingen, dass wir so eine wunderbare Veranstaltung hatten.

Doch von Anfang an. Die Fahrt nach Göttingen am Freitag verlief reibungslos, das Hotel war einfach, aber sauber und nett. Marion Pelny und ich gingen dann erst mal shoppen: Getränke, Knabberzeug, Servietten; Putzsachen und was man halt so alles braucht für eine Veranstaltung. In der Zwischenzeit waren weitere Autorinnen eingetrudelt, am Abend trafen wir uns im Café Inti, eine der vielen Studentenkneipen Göttingens. Die Meinungen über das Essen gingen sehr weit auseinander, nicht aber die über den Verlauf des Abends: Wir haben geredet, gefachsimpelt und gelacht.

Am Samstagmorgen wurden wir von einem durchaus üppigen Frühstücksbuffet überrascht und konnten so gut gestärkt den Tag beginnen. In Begleitung der Goldstaub-Gewinnerin Marlies Blauth lief ich die knapp vier Kilometer in die Innenstadt, um mir dort auf eigene Faust Göttingen anzuschauen. Um 13 Uhr trafen sich insgesamt vierzehn Autorinnen im Kartoffelhaus zum gemeinsamen Mittagessen (diesmal waren alle mit dem Essen zufrieden), danach ging’s zum Aufbau in das SUB.

Dort erwarteten uns zwei nette Studenten, die uns nach Kräften beim Rücken der Tische und Stühle halfen, sodass die Mitgliederversammlung pünktlich um 15 Uhr beginnen konnte. Die dort besprochenen Punkte folgen ausführlich im Protokoll.

Drei Stunden später ging’s ins Hotel, schnell frisch machen und umziehen und zurück ins SUB. Natürlich waren wir alle gespannt, ob der Artikel im Göttinger Tageblatt Einheimische animieren würde zu kommen. Es war dann nur eine Besucherin – was aber der Stimmung keinen Abbruch getan hat. Denn unsere Gäste waren einfach ganz wunderbar.

Da muss ich zunächst die beiden jungen Männer der Modern Music School Göttingen erwähnen, die den perfekten Rahmen für unsere Veranstaltung bildeten. Mein persönliches Highlight war dabei, dass Jan Gerrit Horstmann (Gitarre und Gesang) Lieder von Joe Bonamassa spielte, meinem absoluten Lieblingsmusiker. Aber auch Jonas Anosowitsch am Klavier kam mit klassisch anmutender Filmmusik sehr gut bei den ZuhörerInnen an.

Und dann noch unsere Autorinnen! Selten wurde Lyrik so pointiert und klar vorgetragen wie von Marlies Blauth und Nikola Huppertz, den beiden Goldstaub-Gewinnerinnen in der Sparte Lyrik. Miriam de Hohenstein las ihren Siegertext „Hanna“, mit dem sie beim Wettbewerb klar Erste in der Sparte Prosa geworden war. Alle waren hingerissen von der Professionalität der Fünfzehnjährigen.

Nach einer ausgiebigen Pause, die zum regen Austausch genutzt wurde, kam der Höhepunkt des Abends: Marion Tauschwitz wurde zur Autorin des Jahres 2015 gekürt. Schon die Laudatio von Marion Pelny war ein Genuss – sie kann auf unserer Homepage www.autorinnenvereinigung.de nachgelesen werden. Doch dann kam Marion Tauschwitz und erzählte von Selma Meerbaum und ihrem kurzen Leben und von der Suche nach Informationen über dieses faszinierende Mädchen. Ich denke, ich übertreibe nicht: Wir hingen alle an Marions Lippen und hätten sehr gerne mehr von ihr gehört. Doch die Zeit drängte, wir mussten pünktlich Schluss machen.

Zeit zum Aufräumen war am Sonntagmorgen, wo wir uns erneut im SUB zur Podiumsdiskussion zum Thema Self Publishing versammelten. Teilnehmerinnen waren – neben meiner Wenigkeit – Carla Berling (seit zwanzig Jahren Autorin, teils in kleinen Verlagen, teils als Self Publisherin), Christine Spindler (Autorin und seit kurzem eBook-Verlegerin) und Annette Kleszcz-Wagner (freie Lektorin). Durch die Diskussion führte gewohnt souverän Marion Pelny.
Marion ließ zunächst die Vor- und Nachteile des Self Publishing erarbeiten, wobei schnell klar wurde, dass die Freiheit, alles selbst machen zu können, durchaus auch zur Belastung werden kann. Wir waren uns alle einig, dass Qualität unerlässlich ist, weshalb eine Self Publisherin zunächst einmal Geld investieren muss, z.B. in ein Lektorat, ein professionelles Cover etc.

Carla Berling bestätigte, dass auch Self Publisher gute Chancen haben, einen Verlagsvertrag zu bekommen – sie selbst ist dafür das beste Beispiel, hat sie doch kürzlich einen Vertrag bei Heyne unterschrieben. Die großen Verlage beschäftigen inzwischen alle Scouts, die den Self Publishing-Markt abgrasen nach guten Autorinnen. Viele Verlage bieten inzwischen auch eine eigene Self Publishing-Plattform an (z.B. NeoBooks von Droemer Knaur, einer unserer Unterstützer).
Annette Kleszcz-Wagner warnte davor, mit billigen Self Publishing-Büchern den Buchmarkt kaputt zu machen. Bücher seien sowieso zu billig; wenn der Markt mit preiswerten eBooks überschwemmt werde, gewöhne sich der Leser zu schnell daran und sei nicht mehr bereit, mehr als fünf Euro für ein Buch zu zahlen.
Am Ende waren wir uns einig, dass Self Publishing eine gute Ergänzung zum konventionellen Verlagswesen ist, denn es gibt z.B. immer wieder Projekte, die in kein Verlagsprogramm passen. Früher verstaubten sie in der Schublade, heute können wir sie als Self Publisher anbieten.

Mein persönliches Fazit des Wochenendes: Es war eine wunderschöne Jahrestagung, auch wenn sowohl die Teilnahme der AV-Mitglieder als auch der Gäste zu wünschen übrig ließ. Aber die Quantität sagt bekanntlich nichts aus über die Qualität.

Mein Dank gilt allen Helferinnen, die unermüdlich Kaffee gekocht, auf- und abgeräumt und fotografiert haben; außerdem Silke Weniger, die uns mit Büchern aus ihrem Verlag editionfünf beglückte. Ganz besonders aber den Autorinnen, die sich an diesem Wochenende präsentierten. Ihr habt diese Tagung zu etwas ganz Besonderem gemacht!
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Re: Ein erster – ganz persönlicher – Eindruck aus Göttingen

Beitragvon Lyrikus » Di 27. Okt 2015, 17:40

Vielen Dank, liebe Ute, für Deine Schilderungen, die es einfach auf den Punkt treffen. Ich habe mich riesig gefreut über das Wiedersehen nach einem Jahr Pause von der AV und auch einer langen Schreibpause meinerseits. Göttingen ist eine wunderschöne Stadt in die man sich verlieben kann. Es war zeitweise wie eine Wanderung durch ein Märchen für mich, aufgrund dieser vielen Fachwerkhäuser. Bereits den Freitag hatte ich für eine kleine Erkundungstour durch die Stadt genutzt und am Samstag auf eigene Faust gleich vertieft. An unserem Veranstaltungsabend entdeckten wir unsere gemeinsame Leidenschaft zur Musik des Joe Bonamassa. Ich wurde nicht müde den Vorträgen der Preisträgerinnen zu lauschen. Die Art und Weise, wie Marion Tauschwitz über das Leben von Selma erzählt, durfte ich so noch einmal erleben und sie zog mich wieder in ihren Bann. Es gab Gänsehautmomente.
Am Sonntag bei der Podiumsdiskussion gab es viele interessante Aspekte und wenn die Zeit nicht begrenzt gewesen wäre, hätten wir sicherlich vieles besprechen können und Zeit hinten anhängen können.
Es war ein wunderbares und lehrreiches Wochenende. Danke dem Vorbereitungsteam.
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Re: Ein erster – ganz persönlicher – Eindruck aus Göttingen

Beitragvon Lyranima » Di 27. Okt 2015, 18:50

Liebe Ute, ehrlich, da hast auch Du ganz schön was gewuppt im Vorfeld! Es hat definitiv riesigen Spaß gemacht und ich freue mich schon auf das Treffen nächstes Jahr - in Leipzig! Bei aller Arbeit, es lohnt sich doch immer wieder, wenn wir uns treffen und austauschen. Und immer ist es auch für das eigenen Schreiben inspirierend. Ohne diese Treffen würde mir wirklich was ganz wichtiges fehlen...
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Re: Ein erster – ganz persönlicher – Eindruck aus Göttingen

Beitragvon forumAdmin » Di 27. Okt 2015, 19:12

Toll hört sich das an! Ute, du bist wunderbar. Wie du die AV zusammenhältst und weiterbringst ist eine megastarke Leistung!
Danke an dich und das Team um dich herum, dass ihr so viel geschafft habt!

Die AV kann sich glücklich schätzen...und ich gehe jetzt ein paar Tränchen weinen, dass ich nicht dabei sein konnte...männo... :(
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Re: Ein erster – ganz persönlicher – Eindruck aus Göttingen

Beitragvon Bibi » Do 29. Okt 2015, 17:20

Es war eine sehr gelungene Veranstaltung an beiden Tagen und wirklich klappte alles reibungslos.
Göttingen ist eine Reise wert, und ich fand es trotz Anfangs Bedenken- ob alles klappt- sehr gelungen.
Viel viel Arbeit steckte darin.
Danke - liebe Ute und den anderen Helferinnen.

Ich fand den Austausch mit den vielen Autorinnenkolleginnen sehr schön und lehrreich.
Klar waren die Höhepunukte - der Abend mit den Gewinnerinnen des Goldstaubwettbewerbes und auch selbstverständlich
die Autorin des Jahres - Marion Tauschwitz.
Nicht zu vergessen die Netten Jungs :) und wunderbare musikalische Unterstützung der jungen Musiker der Musikschule Göttingen.
Auch die Posiumsdiskussion am Sonntag war sehr sehr interessant und wurde von Marion Pelny sehr gut moderiert.
Vielen Dank Euch allen nochmals.
Wir sehen uns nächstes Jahr in Leipzig.
Ich freu mich.
Viele liebe Grüße
Birgit Engelbrecht
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Re: Ein erster – ganz persönlicher – Eindruck aus Göttingen

Beitragvon Marion » So 1. Nov 2015, 16:56

Rundum gelungen, diese Jahrestagung: Bereichernd. Erheiternd. Inspirierend. Großen Dank an unsere Vorsitzende Ute Hacker, die den Ablauf perfekt organisiert hatte. Großen Dank an das gesamte Vorstandsteam, das für den reibungslosen Verlauf und die harmonische Atmosphäre sorgte und an so Vieles gedacht, selbst die Presse im Vorfeld effektiv vernetzt hatte. Die erfrischende Podiumsdiskussion lieferte umsetzbare Erkenntnisse. War einfach professionell und auch wieder bestens organisiert. So viele Fäden, die gebündelt zum starken Strang wurden. - Auf Leipzig können wir uns mit diesem Team freuen - und hoffentlich auf noch mehr Resonanz stoßen. Mein persönlicher Dank gilt den Laudatorinnen Marion Pelny mit ihrer sensiblen, berührenden Laudatio und Marie Boselli für das Interview: klug gefragt, amüsant vorgetragen! Fazit: rundum gelungen!
Für die, die nicht dabei waren - meine Dankesworte:

Ich freue mich. Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung. Und ich danke der Autorinnenvereinigung herzlich.

Preise fügen einem Werk nichts hinzu – machen die künstlerische Arbeit weder besser noch schlechter. Und doch haben sie Signalwirkung.
Sie sind für den Autor manifeste Zustimmung und damit eine Art Kapital, das nach außen dem Ansehen dient und den Künstler präsent macht.

Der Schriftsteller wird neu wahrgenommen und damit auch sein Werk. Und deshalb ist jede Auszeichnung, jeder Preis auch eine Unterstützung. Gerade der erste Preis ist eine wichtige Hürde, die genommen werden muss. Marcel Reich-Ranickis Meinung war, dass ein Autor erst preiswürdig durch einen Preis gemacht werden muss.
Der Anfang ist gemacht. Und ich danke der Autorinnenvereinigung sehr, dass sie die Rolle der Frontfrau übernommen hat.
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Re: Ein erster – ganz persönlicher – Eindruck aus Göttingen

Beitragvon Ulrike.Schaefer » So 1. Nov 2015, 17:40

Hallo in die Runde, ich freue mich, dass offenbar alles so gut geklappt hat in Göttingen und dass es eine so intensive und qualitätvolle Veranstaltung war. Riesendank auch von mir ans Vorbereitungsteam, allen voran an Ute, die einen Riesenberg gewälzt hat, aber auch an alle anderen!

Ein herzliches Dankeschön außerdem an alle, die in Göttingen waren, für die nette Geburtstagskarte! So eine Überraschung, ich hab mich sehr gefreut!
Da wahrscheinlich die wenigsten sie im vollständigen Zustand gesehen haben, füge ich sie noch einmal an.

Mit herzlichen Grüßen in alle Richtungen

Ulrike
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Re: Ein erster – ganz persönlicher – Eindruck aus Göttingen

Beitragvon Lyrikus » So 8. Nov 2015, 18:15

Unsere Goldstaubgewinnerin Marlies Blauth ist ein langjähriges Mitglied der Hagenring Galerie, die sich wenige Gehminuten von meiner Haustür befindet. Marlies gab mir in Göttingen eine Einladung zu ihrer Ausstellung "Unsere tägliche Ration". Wir vereinbarten, dass ich sie besuchen werde, weil mich auch die künstlerische Seite unserer Kollegin interessierte. Heute habe ich Marlies getroffen und wir haben lange unterhalten. Hier ein kurzer Eindruck: Gemeinsam mit der Künstlerin Helga Weidemüller zeigt Marlies Blauth in einer Doppelausstellung Bilder, Collagen und verfremdete Bilder zum Thema „Unsere tägliche Ration“. Biblische Texte auf farbigen Untergründen und zerkratzten, zerfurchten Oberflächen lassen innehalten, ziehen den Betrachter in den Bann. Immer wieder streifen warme Farben die Augen. Die verfremdete Fotografie von Mutter und Kind ist mein Favorit dieser Ausstellung. Es spricht eine besondere Sprache und wirkt im zweiten Hinsehen überhaupt nicht mehr starr.

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Re: Ein erster – ganz persönlicher – Eindruck aus Göttingen

Beitragvon Billibaloo » Di 10. Nov 2015, 11:54

Klasse! das Netzwerk funktioniert also doch!
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Re: Ein erster – ganz persönlicher – Eindruck aus Göttingen

Beitragvon Marlies B. » Sa 14. Nov 2015, 19:23

Jetzt bin ich auch hier, offenbar schon (oder bald?) AV-Mitglied. Mir hat das Wochenende in Göttingen sehr gut gefallen, es war anregend und vielfältig - und ich kann nur immer wieder für organisatorische Höchstleistungen danke sagen.

Die Ausstellung, die Regina freundlicherweise erwähnt hat (und wo wir uns trafen, als ich Galeriedienst hatte), wird morgen, nach einem Monat Laufzeit, leider abgebaut. Die nächsten Aussteller scharren, sozusagen, mit den Hufen.
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