Wie geht ihr mit Kritik um?

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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon heikevullriede » Di 1. Mai 2012, 22:37

Wie gehe ich mit Kritik um? Tja - ich würde sagen, es ist eine Mischung aus Respekt, den ich dem Kritiker zolle und schlicht Tagesform. Und natürlich kommt es darauf an, wie die Kritik geäußert wird.

Vor Jahren musste ich erstaunt feststellen, wie aufgewühlt Menschen auf ein paar Zeilen Literatur reagieren können. Einer meiner Texte hatte eine Testleserin derartig aufgeregt, dass sie förmlich aus sich herausplatzte und ihn ganz furchtbar zerriss. (es war ein sarkastischer Text, den sie nicht so verstanden hatte, wie von mir gewollt). Andere diskutierten über die fiktive Geschichte, als wäre sie tatsächlich geschehen. Da war mir klar geworden, wie viel Literatur bewegen kann. Das, was Autorin schreibt, bewirkt etwas. Das halte ich mir jetzt viel öfter vor Augen und es motiviert mich, mich an schwierigen Themen zu versuchen.
Es ist allemal besser, wenn ein Text kontrovers diskutiert wird, als wenn er reaktionslos am Leser vorbeistreicht. Negative Kritik ist Teil einer Diskussion über das Geschriebene. Selbst, wenn sie persönlich wird. Mit anderen Worten, mein Text hat den Leser auf jeden Fall erreicht. Wie auch immer.

Es kann aber sein, dass ich so etwas an einem Tag nicht so einfach wegstecke. Wo mich Kritik einfach nur aufregt.
Ich hatte mal einen Text auf "Neobooks" eingestellt. Und eine Rezensentin monierte, dass mein Protagonist den Namen Marvin trug. Dafür verschwendete sie mehrere Sätze. Anschließend regte sie sich über ein angeblich falsch geschriebenes Wort auf, dessen Schreibweise ihr in der neuen Rechtschreibung wohl nicht geläufig war. Nun ja. Ich glaube, das regte mich ganze drei Tage lang auf. Danach dann nicht mehr. Dann war ich da durch.
Mein Protagonist heißt immer noch Marvin.
Ich sage mir immer, man kann nicht den Geschmack aller Leser treffen. Hauptsache, man trifft überhaupt auf Leser!

Liebe Grüße
Heike
Und wehe, jemand schreibt jetzt was Negatives über meinen Beitrag hier!!! :evil:
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon forumAdmin » Mi 2. Mai 2012, 08:23

"...Es ist allemal besser, wenn ein Text kontrovers diskutiert wird, als wenn er reaktionslos am Leser vorbeistreicht..."
das unterschreibe ich dir, Heike! Bietet ein Text keinen Zündstoff (entweder zu Beifall oder eben in Richtung Anstoß), dann bleibt er nichtssagend in einer unbeachteten Ecke liegen...und das mit Millionen anderen. Ein Text der kontrovers diskutiert wird, ist wenigstens niemals beliebig...außer natürlich er wird für seine Beliebigkeit kritisiert ;)
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Frau Klein » Mi 2. Mai 2012, 14:12

Kritik?
Kommt drauf an.
Bei meinem ersten Roman erhielt ich in der ersten Zeit rundweg positive Rückmeldungen. Ich fand es toll, dass die Leser die Punkte, die mir wichtig waren auch herausgelesen hatten. Somit war ich natürlich tierisch verwöhnt was Lesermeinungen anging.

Und dann kam einer, da dachte ich: Leg den Stift zur Seite, pack nie wieder eine Tastatur an.
Denn:
Auf den ersten Blick schien diese Rezension so fundiert zu sein, dass mir Hören und Sehen verging. Ich war todunglücklich.

Bis ich dann erfahren habe, wer hinter der Rezension steckte. Mittlerweile kann ich mit diesem "Verriss" ziemlich gut umgehen.
Eine weitere Rezensentin zum gleichen Roman meinte, ich solle mich doch bitte schön nicht nur aus Büchern zum Thema informieren. Was ich ziemlich dreist fand, denn sie schaffte es nicht einmal meine Figuren beim richtigen Namen zu nennen.
Dass ich diese "Dame" mittlerweile auch mal live erleben durfte, hat meinen Humor in Bezug auf Lesermeinungen wieder zu Tage gefördert.
Obwohl ich den Spruch "Man sieht sich immer zweimal", ziemlich bescheuert finde, bewahrheitet er sich gerade in dem Bereich, den ich beackere, doch jedes Mal wieder.

Wenn mir jemand sagt, hier und da kannst noch was machen. Oder dieser Leser deckt Schwachpunkte auf - meist meine Testleser - ist das vollkommen ok...

Aber diese Verrisse sind unter der Gürtellinie und sie dürfen jedem/r Autor/in wehtun... bis zu einem bestimmten Punkt. Dann sollte man sie als das abtun, was sie sind: Neid.

lg
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon heikevullriede » Mi 2. Mai 2012, 15:42

Wie war das noch?

Mitleid bekommt man umsonst - Neid muss man sich erarbeiten :D
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um? OT

Beitragvon Frau Klein » Mi 2. Mai 2012, 17:49

Ich bin FB-Krank...ich such ständig den Button für Gefällt mir....*kicher*



ich hab dann mal ein o für ein e getauscht...*auchdasnoch*
Zuletzt geändert von Frau Klein am Do 3. Mai 2012, 06:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon heikevullriede » Mi 2. Mai 2012, 18:26

Das geht mir genauso - "Gefällt mir" ist schon zur Gewohnheit geworden. :oops: und ich meine es nicht abwertend.

Wenn Frau Klein oder wer sonst gerne "gefällt mir" drückt, kann man mich auf Facebook finden :lol:

Aber austauschen können wir uns hier ja auch und das viel spezieller.

Liebe Grüße
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Jennifer L. » Do 3. Mai 2012, 14:39

Mittlerweile gehe ich mit Kritik sehr gut um und schaffe es fast immer, mir zu verinnerlichen, dass das Kritik am Werk ist, die mir helfen soll / kann und keine Kritik an meiner Person oder meinen Fähigkeiten. Wenn ich´s dann doch mal persönlich nehme, weiß ich, ich habe einen krummen Tag, lege die Kritik erst mal beiseite, um sie mir in einem besser gelaunten Moment nochmal vorzunehmen. Allerdings habe ich mir dafür meine persönlichen Stammkritiker ausgewählt. Nicht etwa, weil sie mich so herrlich bauchpinseln, sondern weil sie die richtige Wellenlänge haben, mir die Kritik so zu verdeutlichen, dass ich vor Freude Luftsprünge mache, wenn ich sie erhalte. Da wird mein Werk durchaus zerpflückt, aber mit dem überwiegenden Teil der Anregungen kann ich eine Menge anfangen. Und wenn mal nicht, ist das für beide Seiten völlig okay.

In der Anfangszeit meiner Schreiberei habe ich meine Texte oft "allgemein" der Kritik ausgesetzt, doch dabei kommen so derart viele unterschiedliche Meinungen und Ansätze herum, - die sich z.T. auch enorm widersprechen - dass mir das nichts gebracht hat, außer mich völlig kirre zu machen. So, wie es jetzt ist, fahre ich gut.

Natürlich kommt dann der Moment, wenn das Werk (in meinem Fall bislang Kurzgeschichten) veröffentlicht ist und man sich so der allgemeinen Kritik nicht mehr entziehen kann. Dass die nicht immer positiv sein kann ist mir klar. Dass sie sogar sehr vernichtend sein kann, ist mir auch klar. Das steckt man - ich - nicht immer locker weg, doch ich weiß, damit muss ich als Autor einfach leben auch wenn ich dann manchmal "rummemmel" und mich erstmal zurückziehe, weil ich meine Wunden lecken muss.

LG
Jennifer :-)
Es ist besser für sich selbst zu schreiben und kein Publikum zu haben, als für Publikum zu schreiben und kein Selbst zu haben.
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Hanna Scotti » Mi 25. Jul 2012, 11:39

Dieses Thema habe ich in allen Facetten durchlebt. Wer sich in Foren herumtreibt, wie auch ich, verschwindet entweder nach kurzer Zeit oder passt sich dem Ton an. Es ist wie eine Reise durch die eigene Gefühlswelt, allerdings im Zeitraffer. Nahtoderfahrungen erzählen von den gleichen Phänomenen. :lol:
Orgasmen haben ein ähnliches Ziel :shock:
Da hilft nur eins : durchbeißen und lernen, was das mit mir als Persönlichkeit zu tun hat, wie Ausdauer, Selbstwertgefühl.......
Meine Variante :
Ich brenne für ein Thema, dass ich künstlerisch umsetzte, falle auf die Nase, fühle mich als Niemand, stehe auf, schüttele mich, erinnere mich an mein leidenschaftliches Anliegen, mache weiter, und von vorn.....und von vorn.....
dabei lerne ich meinen inneren Kern kennen, übe mich auch als Kritikerin, lerne mehr von meinem Kern als Mensch und Lyrikerin, lerne fremde Texte WIRKLICH zu lesen, Beende bestenfalls irgendwann meine Nabelschau und nehme die Haltung ein, es gibt viele gute Schreiberlinge wie mich :twisted: , besonders Frauen. :!: :!:
LG Hanna
Gern lasse ich das Leben auf mich regnen (frei nach Rachel Varnhagen)
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Stef Jerz » Mo 30. Jul 2012, 16:05

Hey, das klingt kraftvoll! So ähnlich geht es mir auch. Allerdings brauchte ich mehrere Jahre, bis ich mich nicht mehr verschrecken ließ.
Ich hoffe hier im Forum und auch bei der AV auf viele emotional kräftige Frauen, die sich was trauen, und sich und vieles andere auf die Beine stellen...immer wieder...
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Frau Klein » Di 21. Aug 2012, 11:35

Nicht ganz Kritik ... aber irgendwie doch am Thema
Bei meiner letzten Veröffentlichung wurde eine Leserunde zum Buch bei loveleybooks gestartet.
Es waren einige "reine LiRo"-Leserinnen dabei, was bei dem Thema, das ich für gewöhnlich behandele, nicht ungewöhnlich, aber immerhin sehr kritisch ist. Die meisten dieser Leserinnen - und das ist jetzt keine Kritik meiner Seite, sondern ein Fakt - sehen die Besonderheit des BDSM innerhalb einer Liebesbeziehung in Verbindung mit einigen Praktiken nicht. Dementsprechend fielen auch die "Rezensionen" aus. Oberflächlich gesehen ziemlich positiv, beim genaueren Hinsehen... eine Katastrophe. War aber zu erwarten und ich denke, dass ich da noch mal mit dem Verlag bezüglich "Vermarktung" reden muss... (abererstwennichmichwiederberuhigthabe :-) )


Was mich allerdings tierisch auf die Palme gebracht hat, war die Aussage einer dieser Leserinnen, dass ich - aufgrund des Hypes um Fifty Shape Of Grey auf den Zug oder genauer auf das Pferd aufgestiegen bin. Mir kommt echt die Galle hoch, wenn ich das sehe. Ich veröffentliche seit 2009 sehr erfolgreich in diesem Genre und dann muss ich mir sagen lassen, dass ich mich von einem - meiner Meinung nach -wirklich miserablem Roman mitziehen lasse? :evil:
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