Wie geht ihr mit Kritik um?

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Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Hilke » Fr 30. Mär 2012, 14:01

Manchmal denke ich, dass ich eines Tages lernen werde, weniger empfindlich zu sein. Aber bisher haut mich negative Kritik immer noch für einige Tage aus den Schuhen. Vor allem dann, wenn sie aus berufenem Mund bzw. berufener Feder kommt, dann bin ich jedes Mal fest davon überzeugt: ich kann gar nichts, dieser Text ist einfach nur Mist, ich habe es nicht geschafft, die Bilder, die in meinem Kopf waren, in Worten und Sätzen auszudrücken. Das passiert selbst dann, wenn die Kritik nicht einmal grundlegend schlecht ist, sondern nur ein paar faule Stellen gefunden hat.
Klar - wir Schreiber sollten konstruktive Kritik nutzen und daran wachsen. Ist aber nicht so einfach, finde ich. Man benötigt ein ziemlich stabiles Selbstbewusstsein und eine Elefantenhaut. Ich brauche immer eine Weile, um mich wieder zu fangen bevor ich weiterschreiben kann.
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Stephanie Kovacs » Fr 30. Mär 2012, 17:21

Da kann ich dich total verstehen! Zwanzig positive Kritiken, können von einer Negativen vernichtet werden... Ich muss mir dann auch immer wieder sagen: sie es positiv, so kannst du weiter an dir arbeiten!
Aber manchmal hatte der Eine mit der negativen Kritik einfach nur den Mumm ehrlich zu sein und dann kann es sehr hilfreich sein.
Sofern es konstruktiv ist :!: Ich glaube, negative Kritik verletzt jeden. Immerhin kommt das Geschriebene ja aus einem Selbst und manchmal hängt viel mehr "Autor" in den Sätzen als einem lieb ist... dann hat man das Gefühl, nicht der Text wird kritisiert, sondern man selbst... :oops: Mir hilft es dann immer darüber zu sprechen, um mein kleines angegriffenes Selbst wieder aufzupäppeln :cry:
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Sabine Wagner » So 1. Apr 2012, 08:42

Ach das kenne ich auch. Ich bin ja selbst ziemlich kritisch mit meinen Texten und dann kommt einer... ach nääää, ich gebe keinen Pfifferling mehr darauf.
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Hilke » So 1. Apr 2012, 10:49

Ja, das ist diese schwierige Kunst, sich abzugrenzen, seinen eigenen Wert einschätzen können. "Ich weiß, dass ich diese und jene Dinge richtig gut kann, in anderen Punkten aber Schwächen habe und dazulernen will." Dieses Gleichgewicht gerät nur allzu leicht außer Kontrolle. Eine schlechte Kritik schafft das bei mir mit Leichtigkeit.
Ich flippe übrigens bei Lob ebenfalls gerne aus. Wider besseres Wissen halte ich mich dann für die Größte. Dauert dann eine Weile, bis ich wieder von Wolke Sieben herunterkomme und oben beschriebenes Gleichgewicht wiederfinde.
Seufz. Das Autorenleben gleicht einer Achterbahn. Schädigt Herz, Magen und Kreislauf, schafft hysterische Anfälle, ist partner- und kinderfeindlich. Warum mutet man sich das eigentlich zu?
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Stephanie Kovacs » So 1. Apr 2012, 12:04

Hilke hat geschrieben:Ich flippe übrigens bei Lob ebenfalls gerne aus. Wider besseres Wissen halte ich mich dann für die Größte. Dauert dann eine Weile, bis ich wieder von Wolke Sieben herunterkomme und oben beschriebenes Gleichgewicht wiederfinde.


*schmunzel* *süß*

Sabine Wagner hat geschrieben:Warum mutet man sich das eigentlich zu?


Weil wir gar nicht anders können und wollen... Verliebtsein ist ja auch wie Achterbahnfahren - aber das kribbeln ist soooo schön ♥♥ ♫ ♪ ♥♥
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Stef Jerz » Mo 2. Apr 2012, 20:50

Gute Frage! Wie gehe ich mit Kritik um? Das ist bei mir stimmungsabhängig. Bin ich eh schon verunsichert, haut mich kleinstes Kritteln um. Bin ich aber gerade gut drauf und der Text um den es geht ist von mir bereits auf Herz und Nieren geprüft und für gut befunden, kann mich so schnell nichts erschüttern. Die Kritik wird dann auf ihre Brauchbarkeit geprüft und manchmal nehme ich sie dann auch mal an.
Ein wenig kommt es aber auch auf den Ton des Kritikers an. Ich mag nicht - und würde das auch selber nicht tun - wenn es unter die Gürtellinie geht und ich persönlich angegriffen werde.
Ich finde, Kritik aussprechen und auch einstecken ist ebenfalls Übungssache. Ich habe mir angewöhnt sehr viel Sekundärliteratur zu lesen. Das hilft mir sehr bei Kritik, die ich erhalte, auf den Punkt zu kommen. Es sind ja doch immer die gleichen Details in denen bei einem Text der Teufel steckt. Worte dafür zu kennen ist enorm hilfreich. Ich frage dann manchmal den Kritiker zurück, ob er mit seinem (vielleicht etwas polemischen Satz) jetzt dies meint oder das...
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Gabi » Mo 2. Apr 2012, 21:17

*lach* Kritik ist allerdings ein heikles Thema. Ich kann damit umgehen, wenn jemand sagt: "Der Text gefällt mir gut, aber....." und dann gute Impulse hat. Oft sag ich aber dann trotzdem erst Mal "nö", und erkläre, warum ich es so und nicht anders geschrieben habe. Und dann arbeiten die Impulse in der kommenden Zeit in mir. Und dann passiert es manchmal, dass ich etwas davon aufgreife und feststelle, es war gut und richtig und hilft meinem Text und ich bin wirklich dankbar.
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon callisto24 » Mo 16. Apr 2012, 13:21

Das ist wirklich schwer. Mich verletzen auch anonyme Kritiken, die zum Teil wirklich bösartig sind. Allerdings reagiere ich durch sofortiges Weiterschreiben. Manchmal habe ich auch versucht, das, was mich verletzt, in Worte zu fassen. Allerdings antworte ich nicht, es sei denn, die Kritik erfolgte im Rahmen einer Kommunikation, also auf ein Online-Posting, einen Forenbeitrag. Aber diese Kritiken sind eigentlich nie verletzend und ich freue mich eigentlich immer, wenn jemand überhaupt dort liest.
Warum mir die anonymen Kritiken zu schaffen macht, ist mir noch nicht wirklich klar geworden. Selbst wenn ich die Verfasser nicht kenne und mir deren Meinung nichts bedeutet, arbeiten deren Worte in meinem Unterbewusstsein. Was sich positiv auswirken kann, wenn ich etwas davon umsetzen kann, aber auch negativ, wenn es einfach nur verletztend ist.
Aber mit ein wenig Abstand lernt man sicher, besser zu ignorieren, oder auch die komischen Seiten zu entdecken. Ein Rezensent, der mein Buch als zu schlecht für die Papiertonne beschrieb (Er hat zwar Recht, aber ich denke immer noch, dass er es doch nicht hätte lesen müssen. :D Überhaupt liegt ja das größte Geheimnis in der Frage, warum die Rezensenten sich freiwillig damit quälen. :lol: Oder woher sie die Zeit und Energie nehmen?), bewertete gleichzeitig Tolkiens 'Herr der Ringe' mit nur einem Punkt besser.
Eine erfolgreiche Autorin schrieb mir einmal, dass sie Kritiker zurückverfolgen konnte, und feststellte, dass es sich um Autoren handelte, die von ihrem Verlag abgelehnt worden waren, und die so ihren Frust loswerden.

Ich glaube ehrlich, dass ein Grund dafür, dass Frauen sich im Autorenwesen nicht so gut behaupten können, wie sie vielleicht sollten, darin liegt, dass wir Kritik so schwer nehmen. Männer reagieren anders, und männliche Autoren sind wohl häufig mit einem unzerstörbaren Selbstbewusstsein ausgestattet, das ihnen erlaubt, negative Resonanz besser abzuschmettern. (Darf ich das hier sagen, wo wir unter uns sind? Ein anderer Rezensent warf mir nämlich Männerhass vor, bevor er mein Buch in die Papiertonne verfrachtete. Was seltsam ist, da ich doch besonders gerne kitschige Liebesgeschichten zwischen Männern schreibe, vermutlich eine weitere Ausgeburt meines abgrundtiefen Hasses und der Kritik, aus der ich nichts gelernt habe. :? ) Besser ich ende hier, bevor es schlimmer wird. :oops:
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon tatmoor » Fr 20. Apr 2012, 18:09

Ich habe durchaus mühevoll lernen müssen, dass Kritik unterschiedliche Qualitäten haben kann und dass ich, auch in Abhängigkeit der persönlichen Stimmungslage, unterschiedlich auf Kritik reagiere. Wenn ich merke, dass eine Kritik mich tiefer trifft, als mir dies recht ist, dann sehe ich mir das noch einmal unter verschiedenen Kriterien an:
- worauf weist mich die Kritik hin?
- warum fühle ich mich persönlich so davon betroffen?
- was sagt mein "Bauch" zur Kritik, aber auch zur Person, die meinen Text kritisiert.
Versachlichen hilft mir meist wieder auf die Beine. Aber auch, dass ich mir das Recht herausnehme zu sagen: "ok, das ist deine Meinung, damit kann ich jetzt nicht so viel anfangen" - und die Kritik dann in einer Gehirnwindung ablege, wo sie mich erst einmal nicht stört. Manchmal geht mir dann Monate/Wochen später auf, was mit der Kritik gemeint sein könnte und dann finde ich es vielleicht doch noch hilfreich. Manchmal aber auch nicht und das ist dann auch ok. Ebenso finde ich es ok, auch mal ganz arrogant zu sagen: diese Art der Kritik ist vielleicht gut für den/die KritisierendeN, aber nicht gut für mich.
Ich glaube, es ist immer so ein Spagat zwischen unangenehm berührt sein von einer negativen Kritik und konstruktiv umwandeln. Als Systemikerin gelingt mir dies in der Regel recht gut, da ich die Kunst des Perspektivwechaels beherrsche und so auch aus einer für mich erst mal negativen Kritik mir die Ressourcen herauspicke. Und finde ich doch mal keine? Na dann gehört die Kritik einige Zeit in die Restekiste (Gehirn) um später Verwendung zu finden oder eben im Papierkorb des Vergessens zu landen.
Was ich eigentlich sagen will: so wie andere meine Texte kritisieren dürfen und sollen, so darf ich eine Kritik annehmen oder ablehnen. ;)
Der Morgen ist klüger als der Abend.
Behauptet Wassilissa die Weise in verschiedenen russischen Märchen
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Stef Jerz » Sa 28. Apr 2012, 20:30

Sehr gesunde Einstellung! :)
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