Wie geht ihr mit Kritik um?

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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon mariebastide » Mi 22. Aug 2012, 10:34

Hallo Frau Klein,

so ganz verstehe ich nicht alles in deinem Beitrag - ich muss erst mal BDSM googlen, ich gebe es zu! Aber deine Einstellung bzw. Schilderung von Kritik ist doch ebenso prägnant wie - denke ich - uns allen bekannt. Wie umgehen mit Kritiken, die mangelnde Information zeigen? Mir geht es wie dir, zunächst gehe ich in die Luft. Dann erinnere ich mich an das A und O der Öffentlichkeitsarbeit: immer alle und jeden dort abholen, wo sie und er stehen. Also hole ich tief Luft, und erkläre wirklich von Anfang an, worin das "Missverständnis" liegt. Und ich ernte entweder Dank oder - wenn die Kritik einfach nur "Gemotze" war, zumindest Schweigen. Rundweg positiv also, dieser Weg, für mich.... Sollte ich dich falsch verstanden haben - hol mich bitte ab :-) Danke und viele Grüße aus München von Marie
Ich schreibe, also bin ich.
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Frau Klein » Mi 22. Aug 2012, 11:17

@mariesbastide...
dass ich deinen Beitrag auch nicht ganz verstehe... magst Du mir entschuldigen.

LiRo - Leserinnen lesen einen Roman mit Liebe, Herz und Schmerz und erotischen Aspekten ganz anders, als jemand der sich mit erotischen Romanen die BDSM-Aspekte haben, beschäftigt. Das ist nix schlimmes, dass soll auch so sein.

Was mich ärgert ist die Aussage, ich hätte mich an den Roman von E.L. James dran gehängt, nur um im Fahrwasser dessen mal eben den Hintern hoch zu kriegen.
Und das stimmt nicht.
Ich veröffentliche in diesem Bereich seit mehreren Jahren erfolgreich und hab es nicht nötig, mich irgendwo dran zu hängen...
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Hanna Scotti » Mi 22. Aug 2012, 12:45

Zunächst einmal ein ganz herzliches Willkommen von mir, liebe mariesbastide, wir hatten noch nicht das Vergnügen, uns hier zu begegnen.
Ich glaube, dass es zwei wesentliche Sichtweisen zum Thema Kritik gibt :
1. die Sicht des Kritikers auf das Werk und die Person des Autoren
2. die Sicht des Autors auf den Inhalt der Kritik und die Person des Kritikers (Autoren sind nie neutral, wenn es um ihr eigenes Werk geht)

Das sind Konkurrenzen, die einfach nicht zu lösen sind.
Die Autoren wollen ihre "Babies" beschützen und reagieren wie aufgescheuchte "Mütter", ja,ja, auch die männlichen Autoren.
Die Kritiker sind ebensolche Narzisten, die einfach immer die Wahrheit mit großen Löffeln gegessen haben.

Mir sind sowohl Gluckenmütter/ - väter als auch Menschen, die schon immer alles wissen sehr suspekt.
Ich selbst, egal welcher Gattung ich gerade angehöre, muß mir meine Freiheit mit Kritiken umzugehen mühevoll und oft langatmig erarbeiten. Aber wenn ich dann irgendwann die Grenzen des/der Anderen und meine eigenen sehen kann, fühle ich mich frei zu reagieren oder auch nicht zu reagieren. Ich weiß dann,was mir gut tut.

Noch etwas zu diesem konkreten Beispiel von dir,Frau Klein:
Meines Erachtens kann der Autor nicht erwarten, dass ein/e LeserIn über das Genre des Geschriebenen genau informiert ist. Autoren leben doch von der Neugier der Leserschaft auf "Anderes, Ungewöhnliches",besonders wenn es um Sexualität geht. Das Sexualität nicht zwangsläufig etwas mit Liebe und Romantik zu tun haben muß, wurde schon in den 1960 Jahren heiß diskutiert und Illusionen dazu sind bis heute wach und lebendig. Allerdings sollten Kritiker, die vom Thema nichts verstehen, besser den Mund halten.
Ich verstehe dein Erlebnis so :
Du fühlst dich von dem Vorwurf gekränkt, dich in das Erfolgsfahrwasser eines anderen Autoren begeben zu haben. Inhaltlich kann ich das nicht beurteilen, aber ich kann diese Kränkung nachvollziehen und kann dir nur wünschen, dass du zu deinem eigenen Seelenheil lernst, dich von solchen, möglicherweise unqualifizierten Äußerungen abzunabeln und selbst genau zu wissen, was du und dein Schreiben wert ist.
Ich will hier nicht behaupten, dass ich über diesen Dingen stehe, aber ich arbeite fleißig dran.
LG Hanna Scotti
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Hanna Scotti » Mi 22. Aug 2012, 12:59

PS. : So finde ich die Umgehensweise von mariesbastide genau die richtige zum Üben. Sehr viel später habe ich dann herausgefunden, dass auch das "Abholen" nicht wirklich etwas bringt, außer der persönlichen Anstrengung etwas zu erklären, was niemand so genau wissen will.
Für mich gibt es nur eins : Den Roman, das Gedicht, das Lied..... mit Freude und oft auch Schmerzen in mir wachsen zu lassen, zu Papier zu gebähren und wenn es ausgereift für mich ist, in die Welt ziehen zu lassen in dem Vertrauen darauf, dass es seinen Weg schon machen wird - oder auch nicht. Das ist einer der natürlichsten Vorgänge in dieser Welt. Leider wird er in dieser Zeit nicht oder kaum beachtet. Eure Kinder und geistigen Ergüsse gehören euch nicht, sie sind nur durch euch hindurchgerutscht und möchten zu recht ihre Freiheit.
Es tut mir nicht leid, wenn ich jetzt philosophisch geworden bin. Aber das Netz ist groß und vielleicht versteht mich ja jemand.
LG Hanna Scotti
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon mariebastide » Fr 24. Aug 2012, 14:25

Liebe Hanna Scotti,

danke, du hast mir so ziemlich aus der Seele gesprochen :-) . Viele Grüße Marie Bastide
Ich schreibe, also bin ich.
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Cordula » Di 28. Aug 2012, 10:21

Kritik an sich sehe ich erst einmal sehr positiv. Nur durch konstruktive Kritik habe ich die Möglichkeit mich stilistisch zu verbessern oder zum Beispiel Stellen zu hinterfragen, die für mich völlig klar, für den Leser jedoch unverständlich sind. Postivie Kritik ist natürlich Balsam für die Seele und das Sahnehäubchen des AutorInnendaseins. Aber selbst ein Veriss, dem jedweder konstruktive Ansatz fehlt, kann mir helfen, indem ich meine Arbeit erneut hinterfrage und mich, bei positiver Bewertung meinerseits, bewusst dahinterstelle und dadurch noch sicherer bin, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon Hanna Scotti » Do 30. Aug 2012, 10:44

Hallo Cordula, deine Ansicht ist sehr lobenswert und klingt ein wenig "artig" für mich. Als lyrikerin und Clownin habe ich Gefühle zu meinen "Geborenen", da fällt eine nüchterne Reflexion oft schwer und ich habe das viele Jahre üben müssen. Konstruktive Kritik finde ich bereichernd und umsetzenswert, wenn ich spüre, dass der Rezensent sich eigene Gedanken zu meinem Text
gemacht hat und mir die mitteilt. Aus deiner Meinung winkt mir eine mühevolle Arbeit deinerseits entgegen, aus dem, was da geschrieben ist, unbedingt einen Sinn für dich pressen zu wollen.
Dabei sind viele Kritiken einfach dumm, oberflächlich und sensationsheischend oder Süßholzgeraspel.
Sei nicht bös, nun habe ich dich auch kritisiert. Was machst Du damit ? Über eine Antwort würde ich mich freuen.
LG Hanna
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Re: Wie geht ihr mit Kritik um?

Beitragvon forumAdmin » Mo 9. Mai 2016, 20:21

Wow! Dieser Thread hier hatte über 16.000! Klicks! Ist also viel gelesen worden.
Ich hole dieses anscheinend interessante Thema noch einmal in den Fokus und bin gespannt, ob sich noch jemand dazu melden möchte.
Wer hat noch nicht? Wer will nochmal? :D

Herzlich und gespannt,
Stefanie
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