Warum schreibt ihr eigentlich?

Um im Forum vielleicht erst einmal "warm" miteinander zu werden, ist hier der Bereich für lockeren Austausch über alles, was Euch so einfällt.

Warum schreibt ihr eigentlich?

Beitragvon Stef Jerz » Mo 13. Feb 2012, 20:58

Habt Ihr darüber schon einmal nachgedacht?
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Re: Warum schreibt ihr eigentlich?

Beitragvon Sylvia » Sa 18. Feb 2012, 14:37

Hmmm. Bei mir hat es mehrere Gründe: Sachbücher schreibe ich, um Ordnung in meine Gedanken und meinen Kopf zu bekommen. Ist ein Thema mal richtig bearbeitet, hört es nämlich auf, dort herumzugeistern.
Romane schreibe ich, weil und wenn bestimmte Fragen mich nicht in Ruhe lassen und beantwortet werden wollen. In der Regel sind es zentrale Konflikte aus der Reihe "Was wäre wohl, wenn ...", die lange kaum beachtet in irgendwelchen Gehirnwindungen hausen, sich mit anderen Fragen zu kurzen Szenen zusammenschließen und schließlich immer mehr Zusammenhänge hervorbringen. Inzwischen habe ich mir angewöhnt, diese zentralen Fragen zunächst als Kurzgeschichte aufzuschreiben und zu sehen, ob es reicht. Falls nicht, falls sie anfangen mit einander zu tanzen, dann wird meist ein Romanprojekt draus. Leider selten "Genre-rein" und damit oft nicht zur Veröffentlichung geeignet.
Wenn ich sie ignoriere und eine Weile so tue, als ob sie mich nicht interessieren (oder wenn ich versuche, sie im Voraus zu planen und etwas "Gescheites" daraus wachsen zu lassen), dann lösen sie sich auf und hinterlassen ein seltsames Gefühl der Leere, vergleichbar nur mit ein paar verpassten Chancen aus dem eigenen Lebenslauf. Und weil sich das noch weniger gut anfühlt, schreibe ich inzwischen alle Geschichten auf, die mich finden und länger als ein paar Wochen beschäftigen. Und fühle mich gut bei dem Gefühl, dem Leben ein paar neue Geheimnisse entlockt zu haben.

Liebe Grüße
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Re: Warum schreibt ihr eigentlich?

Beitragvon dena » Sa 18. Feb 2012, 18:01

Ich hab lang nachgedacht über die Frage. Und auch zu der Erkenntnis gekommen, dass für mich persönlich die Frage ist, warum schreib ich eigentlich nicht? Es fällt mir nicht schwer, seitenlange Texte in Foren zu schreiben- Erzählungen aus meinem Leben, Vorträge über medizinische Themen, lustiges- aber wenn ich da sitze und genau diese Fähigkeit nutzen möchte, um eine zusammenhängende Geschichte zu verfassen, scheitere ich mit einer beinahe undurchdringlichen Blockadewand, meine Finger werden taub und ich muss aufhören. Warum?
Ich hab im Vorstellungsfaden schon mal geschrieben, dass in meinem Kopf unzählige Formulierungen, Geschichten und Romanrohbauten stehen, die bevorzugt nachts ihren Weg in mein Bewusstein finden. Ich halte mir dann schon mal selbst Vorträge über interessante Themen, begeistere mich mit witzigen Sätzen und erstaune mich mit grosser Kreativität. Doch wenn ich meine Brille hervorkrame, ohne die ich den Monitor des Computers nur als Nebel von Avalon wahrnehme, wenn ich sitze und die Sätze aufschreibe, wenn ich einen Stift in die Hand nehm, in dem Moment ist alles weg.
Dann versuche ich verschiedene Strategien. Eine Gliederung , wie ich es in der Schule gelernt hab mit der Niederschrift aller in der Geschichte vorkommenden Charaktere. Einfach mal ohne Ziel drauf losschreiben, zu einer meiner Geschichten wirds schon passen. Aber das funktioniert nicht. Ich hab mir schon einen Minieimer besorgt. Zum Mäusemelken.
Zur Zeit seh ich mich also als "Forenautorin" und würd doch lieber das schreiben, nacheinander abarbeiten, was in meinem Kopf so los ist.
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Re: Warum schreibt ihr eigentlich?

Beitragvon Stef Jerz » Mi 22. Feb 2012, 06:51

bereits zwei spannende Antworten!
melde mich später eingehender.
euch einen schönen Tag!
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Re: Warum schreibt ihr eigentlich?

Beitragvon callisto24 » So 4. Mär 2012, 00:45

>I write for the same reason I breathe, because if I didn't, I would die.<

Isaac Asimov


Mag sich übertrieben anhören, aber letztendlich ist es die beste (vielleicht für mich einzige) Möglichkeit, die Gedanken ausreichend zu binden, um mit dem Leben zurechtzukommen. Ich hatte immer mit dem Gedanken gespielt, aber ihn stets beiseite geschoben. Erst seitdem ich wirklich angefangen habe zu schreiben, werde ich ein wenig stabiler.
Das Dilemma liegt darin, dass die Depression mich sofort einholt, wenn ich ein paar Tage beispielsweise lediglich editiere.

Meine Lieblingszitate sind diese:

>All writers are vain, selfisch and lazy, and at the very bottom of their motives lies a mystery. Writing a book is a long, exhausting struggle, like a long bout of some painful illness.
One would never undertake such a thing if one were not driven by some demon whom one can neither resist nor understand.<

George Orwell


Stimmt leider, wenigstens in meinem Fall. :D Dieses Zitat überzeugte mich - es ist der Dämon, der ist schuld, nicht ich. :roll:

Aber Bradbury bringt es eigentlich auf den Punkt:


>You must stay drunk on writing so reality cannot destroy you.<

~Ray Bradbury


Funktioniert ... noch. :D
'You must stay drunk on writing so reality cannot destroy you.'
Ray Bradbury
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Re: Warum schreibt ihr eigentlich?

Beitragvon Sophie » So 4. Mär 2012, 12:08

Hallo, Ihr Lieben,

Schreiben ist für mich lebenswichtig. Ohne eine Woche, in der ich keinen einzigen Satz zu Papier gebracht habe, fühle ich mich mutlos und mitläuferisch. Wenn bei mir der Akku leer ist, lade ich ihn durch Schreiben wieder auf. Jedoch aus Langeweile zu schreiben, hat bei mir noch nie funktioniert. Im Gegenteil. Ich brauche immer Anregungen von außen, die in mir Kreativität zum Vorschein bringen. Häufig fühle ich mich auch regelrecht getrieben. Hab das Gefühl, in meinem Innern brenne ein Feuer, das nicht ausgelöscht werden darf. Durch was auch immer. Mein Schreibprozess bei Lyrik und Prosa ähnelt sich stark und lässt sich grob in drei Schritte gliedern. Erster Schritt: Ich rege mich über irgendetwas auf, reflektiere zwar, aber das hilft auch nicht. Zweiter Schritt: Ich entschließe mich, das Gefühlte in Worte zu fassen. Dritter Schritt: Ich schreibe - und werde immer ruhiger. Weil ich merke, dass ich mit dem, was mich so aufgeregt hat, auf eine vernünftige Art und Weise umgehen kann. So weit erstmal zum Thema "Warum schreibt ihr eigentlich?"...

Alles Liebe - Sophie
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Re: Warum schreibt ihr eigentlich?

Beitragvon Stef Jerz » So 4. Mär 2012, 12:35

Wow! Eindringliche Statements!
Sylvia: Klasse deine Beschreibung, wie aus deinen Ideen dann ein Roman wird. Wäre in ausführlicherer Form etwas für einen eigenen Themenbereich. Hast du Lust das anzustoßen? So unter dem Motto: So entstehen meine Texte. Wäre für Anfänger eine feine Sache.

Dena: Nur Geduld. So wie du hier im Forum schreiben kannst, kann das ja nicht mehr lange dauern, bis deine Ideen aufs Papier tropfen. Irgendwann bist du so voll, dass du schon aus Notwehr heraus schreiben musst.
Hast du mal überlegt, eine Schreibwerkstatt zu besuchen? Dort bekommst du vielleicht den richtigen Stubser.

Callisto: Deine Zitatesammlung ist ja klasse. So etwas wäre hier im Forum auch super: Zitate rund um Literatur.
Finde so etwas immer sehr lehrreich und gleichzeitig werfen diese Sätze neue Fragen in mir auf. Wunderbar.
Die Kraft des Schreibens ist ein wunderbares Mittel, eine wunderbare Mittlerin, Gefühle zu sortieren...unbestreitbar...
Willst du darüber noch hinaus? Hast du vielleicht den Wunsch, davon inform von Geschichte oder Bericht etwas weiter zu geben?

Sophie:
"Mitläuferisch" fühlst du dich ohne Schreiben? Das kenne ich gut. Über das Schreiben findet und äußern wir Haltung zu etwas.
Und Teil B deiner Antwort kann ich auch nachvollziehen: Die schreibende Hand als Werkzeug, um aus Gedankenkarusellen auszusteigen. Diese Wirkung nutze ich in meinen Kursen ganz viel.


Verstehe ich richtig: ihr schreibt drei u.a. aus beinahe "therapeutischen" Gründen?
Die amerikanische Schriftstellerin Siri Hustvedt hat mal irgendwann gesagt, dass sie gegen das Chaos in sich und um sich herum anschreibt. Könnte man das grundsätzlich auf alle Schreibenden münzen? Oder ist das typisch "weibliches" Schreiben?
Diese Fragen beschäftigen mich sehr und für mich persönlich kann ich sagen, dass ich "zur Therapie" am meisten mein Denken brauche...und dass ganz unglaublich viel und oft...das Schreiben, der Wunsch und Drang zu schreiben rührt bei mir aber daher, dass ich immer schon großes, vielleicht sogar übersteigertes Sendungsbewusstsein habe. Will heißen: wenn ich eine Erfahrung mache, will ich die stets teilen. Andere wissen lassen. Egal ob Freude oder Leid...
Damit ich die "Opfer" meiner Denkergüsse nicht allzu lange quälen muss, mache ich das gern in Gedichtform oder in Theaterstücken eben...kurz und bündig. :lol:

Dieses Kurze, dieses auf den Punkt kommen ist mir im Denken wie beim Schreiben enorm wichtig. Ordnung schaffen im Sinne Hustvedts eben.
Bin gespannt auf weitere Diskussion hier. Vielleicht hat die eine oder andere Lust, weiterführend ein eigenes Thema zu eröffnen...oder wir sammeln hier noch mehr gute Gründe für das Schreiben. Danke euch bis hier...spannend!!!!
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Re: Warum schreibt ihr eigentlich?

Beitragvon callisto24 » Sa 10. Mär 2012, 20:39

Sehr spannend. :D Zitate sammele ich gerne in einem eigenen Thread.

Gegen das Chaos anzuschreiben scheint mir ein geschlechterunabhängiges Phänomen zu sein. ( Zumindest laut mancher Zitate großer Schriftsteller. :mrgreen: )
Möglicherweise reagiert die weibliche Psyche nur erheblich eher und öfter auf diese Weise.

Sendungsbewusstsein spielt sicherlich mit. Erfahrungen, Erkenntnisse weiterzugeben, die als hilfreich empfunden wurden, hielt ich auch für immer für sinnvoll. Aber auch für schwierig. Es geschieht sehr leicht, dass man damit aneckt oder den mahnenden Zeigefinger in den Weg stellt. (Das bekomme ich beides problemlos hin. :D )
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Re: Warum schreibt ihr eigentlich?

Beitragvon AndreaB » Sa 10. Mär 2012, 23:27

Hallo zusammen,
auch ich habe mir selbst schon oft die Frage gestellt, warum ich eigentlich schreibe. Und dann begegnet sie mir hier im Forum gleich schon wieder. Vielleicht ist das ja ein Wink mit dem Zaunpfahl, endlich mal darauf zu antworten.
Therapeutische Gründe zu schreiben, um irgendetwas zu verarbeiten, gibt es für mich persönlich nicht. Oder sagen wir mal, es ist mir zumindest nicht bewußt. Ich erzähle einfach gerne Geschichten, sofern mir denn welche einfallen, oder schreibe Gedanken, die mir spontan in den Sinn kommen, auf's Papier. Manchmal geht's besser, manchmal geht's schlechter. Wenn's gar nicht geht, lasse ich es einfach sein.
Was ich beim Schreiben schön finde, ist, mich darüber mit anderen auszutauschen. Es entsteht Kommunikation. Spannend ist für mich dabei, zu sehen, wie Menschen auf unterschiedliche Themen reagieren und für welche sie sich mehr oder weniger interessieren. Am Anfang habe ich mich immer gefragt: Ist das was ich schreibe, gut genug? Haben andere überhaupt Lust; es zu lesen? Haben meine Texte überhaupt eine gewisse sprachliche oder inhaltliche Qualität, um sie anderen zuzumuten. Inzwischen glaube ich, dass man sich von solchen Selbstzweifeln frei machen sollte. Es gibt mit absoluter Sicherheit tausende Leute, die wesentlich besser schreiben, aber auch sehr viele, die es wesentlich schlechter können. Insofern steht für mich im Vordergrund, dass ich Spass daran habe, meine Gedanken zu Papier zu bringen und immer wieder den Mut, es neu zu versuchen. Daneben spricht nichts dagegen, ein wenig systematisch an Sprache und Ausdruck zu arbeiten. In erster Linie aber ist Schreiben für mich Passion und sowohl ein kreativer als auch experimenteller Prozess, um Erlebnisse und Erfahrungen in Sprache umzusetzen. Dabei möchte ich mir selbst treu bleiben in der Art mich auszudrücken. Was als Ergebnis dabei herauskommt, beurteilen die Leser ... Und wenn das Feedback mal nicht so ausfällt, wie ich's mir wünsche, dann kann ich daraus lernen, und versuche es trotzdem weiter ...

Liebe Grüße,
Andrea
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Re: Warum schreibt ihr eigentlich?

Beitragvon Inge Lütt » Mo 12. Mär 2012, 15:25

Hin und wieder lese ich von Leuten, die schreiben, weil sie nicht malen/bildhauern/musikmachen/sonstewas können. Ich kann singen. Aber am liebsten tue ich das eben mit der Sprache.
«This is my voice, my weapon of choice» singt Grace Jones.
Auch wenn ich nun nicht gerade Salven abfeuere auf meiner Schreibtastatur, das Bild finde ich gut. Ich schreibe, weil das die Waffe meiner Wahl ist.
Wer einmal aus dem Schrank raus ist, passt nicht mehr in eine Schublade.
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