Kleiner Wettbewerb:

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Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon tatmoor » Mi 25. Apr 2012, 19:03

Yōko Tawada, geboren am 23.3. 1960 in Nakano, Tokio

Seit Anfang der Neunziger Jahre begleitet mich die Literatur von Yōko Tawada. Ich lese ihre Bücher immer wieder mit neuem Blick, meist dann, wenn mein eigener Blick verstellt ist von zu viel Alltag und dem Trauern um verpasste/verpatzte Möglichkeiten. 
Yōko Tawada, Tochter eines Buchhändlers und einer ihrem Kind Geschichten vom Reisen vorlesenden Mutter, wurde 1960 in Tokio geboren und studierte in Japan Literaturwissenschaft (Schwerpunkt russische Literatur). Den Traum ihrer Eltern verwirklichend reiste sie 19jährig mit der transsibirischen Eisenbahn nach Moskau und landete 1982 Deutschland, wo sie seither lebt und zweisprachige (deutsch/japanisch) Bücher veröffentlicht.
In einem Interview (1994 veröffentlicht in der Literaturzeitschrift "Edit") erzählte mir Yōko Tawada welche Befreiung von den Einengungen der Muttersprache das Schreiben in einer Fremdsprache für sie war. "Man ist hilflos, wenn man von der Sprache beherrscht ist, wie sie benutzt wird, Alltagssprache. ... Man muss sich davon befreien. Das muss nicht eine Fremdsprache sein, es kann auch Musik sein. Ich meine nicht, dass die Menschen die Sprache beherrschen, als Macht. Es muss ein unabhängiges Verhältnis zur Sprache sein. Ein Freiraum, eine Distanz zwischen mir und der Sprache. Ich möchte sie nicht als Werkzeug benutzen, ich möchte, dass Sprache ihr eigenes Leben hat."
Yōko Tawadas Sprache hat ein eigenes Leben und immer, wenn ich einen ihrer Texte lese, fühle ich mich neu belebt. Belebt von ihren Worten/Bildern  und von ihren Geschichten. Märchenhaft zaubert sie eine Welt, die so nicht existiert und die es doch genau so gibt.
Was mich fasziniert an dieser Autorin ist das unbefangene Zugehen auf Unbekanntes. Sie lässt sich darauf ein, auch wenn es beängstigend ist. Angst gehört für sie ganz selbstverständlich dazu. Sie nimmt die eigenen Spuren wahr und folgt fremden . Sie nimmt mich in ihren Werken mit auf eine Reise in unbekannt Vertrautes.
Der Morgen ist klüger als der Abend.
Behauptet Wassilissa die Weise in verschiedenen russischen Märchen
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Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon Frau Klein » Do 26. Apr 2012, 17:06

Jane Austen
16. Dezember 1775 in Steventon, Hampshire; † 18. Juli 1817 in Winchester

Verkannte Feministin?

Jane Austens Werke bestechen durch ihre minutiös aufgezeichneten Umstände des 19, Jahrunderts. Alle ihre Romane, Essays und Kurzgeschichten sind aus der Sicht einer Frau geschrieben, die gegen die ihr auferlegten Werte - wenn auch schwach, aber immerhin - rebelliert.
Austen selbst hat die Chance auf eine Besserstellung ihrer Person dahingehend abgelehnt, dass sie einen Heiratsantrag ablehnte. Sie war sich bewusst, dass die Freiheit ihrer Autorentätigkeit durch die Ehe eingeschränkt werden würde.
Ich liebe ihre Sprachgewandheit, liebe ihr detailgetreues Schreiben. Und natürlich öffnen mir ihre Romane über Liebe und Schmerz das Herz. Allerdings sehe ich sie nicht als verkappte "Liebesromanautorin" sondern erkenne durchaus linkes Gedankengut in ihren Romanen.
Jane Austen schafft es sich als Frau fühlen zu können und sich dem Schmachten und der Sehnsucht hingeben zu können, ohne dass man befürchten muss, sich selbst in seinen Ansichten zu vergeben.
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Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon Stef Jerz » Do 26. Apr 2012, 17:20

Klasse! Das wird ja immer internationaler hier. Genial!!!!!
Ich füge die Tage auch noch eine oder zwei dazu...mal sehen, wie viele wir zusammen bekommen!
Danke an euch alle schon mal!!!!!!!

Syrien: Die Japaner haben es mir auch angetan. Die gesamte Kultur ist dermaßen weit sozialisiert - das konnte man zuletzt ja nach Fukushima sehen. Weder von Plünderungen noch von Ausschreitungen die Rede - die Menschen dort haben Disziplin bereits in ihren Genen, während wir uns hier die Köpfe noch germanengleich einschlagen ;)
Aus jedem japanischen Text und Film nehme ich für meine persönliche Weiterentwicklung etwas mit. Kann deine Faszination für diese Autorin gut verstehen und nehme das als Lesetipp mit!!!

Ach ja, die Austen!!!!! Wegbereiterin für Mary Shelley, die Brontè-Schwestern ...könnte man so sagen? Hast du einen Lieblingsroman von ihr?
Liebende Heldinnen mit dem Kopf auf den Schultern! Und das in dieser Zeit, in der die romantische Liebe überhaupt ihren Ursprung hat.
Ach hätt ich Zeit, ich würde sie studieren, diese Autorinnen!
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Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon Frau Klein » Do 26. Apr 2012, 17:47

Nun... da ist sicherlich der Klassiker "Sinn und Sinnlichkeit"... mit dem ich zwar Anfangs meine Schwierigkeiten hatte... aber als dann den Film von Ang Lee sah und als Fan von Alan Rickman und Emma Thompson war ich begeistert... und seitdem liegt der immer griffbereit.

Jede Frau sollte einen Colonel Brandon haben...*grins*


Bei den Brontés liegt mit der Jane Eyre... habe letztens noch gelesen, dass der gar nicht in den englischen Midlands spielen sollte, sondern - wie der Name der Prota schon sagt - in Irland. Fand ich sehr interessant, weil Irland zu der Zeit gesellschaftlich weit hinter Großbritannien lag und diese freiheitsliebende Frau so gar nicht in das katholische Frauenbild passen will.

Ich mag die Romantik. Das Gedankengut, das in dieser Zeit aufkam, der Freiheitsgedanke ... sehr beeindruckend.
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Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon AndreaB » Di 1. Mai 2012, 08:28

Im Sinne der "Internationalität" möchte ich noch eine ganz tolle Autorin mit sehr eigener Persönlichkeit beisteuern, die ich selbst erst vor zwei Jahren entdeckt habe.

Alexandra David-Néel (*1868 Paris, +1969 Digne-Les-Bains)

Kurz vor ihrem 101. Geburtstag erscheint sie im Rathaus von Digne-Les-Bains, um ihren Reisepass zu verlängern. Ein erneuter Aufbruch ist ihr jedoch nicht mehr vergönnt.

Alexandra David-Néel ist eine der ungewöhnlichsten Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie bricht früh aus ihrer klösterlichen Erziehung aus, entschließt sich asiatische Sprachen zu studieren und macht sich mit den Lehren des Buddhismus vertraut. Sie arbeitet als Sopranistin in Indochina und unterrichtet orientalische Philosophie an der Universität in Brüssel. 1904 heiratet sie Philipp Néel, trennt sich jedoch kurz darauf von ihm, um erneut auf Reisen zu gehen – die er allerdings Zeit seines Lebens finanziell unterstützt!

Das Dach der Welt ist ihr Hauptziel. Von 1911 an bereist sie es für 14 Jahre, allein oder in Begleitung ihres späteren Adoptivsohnes Yongden. Hochintelligent, zugleich trotzig und herrisch ist sie von einer fixen Idee getrieben: in die verbotene Stadt Lhasa zu gelangen, was schon damals sehr gefährlich ist. Verkleidet als Bettlerin und von den Strapazen im Himalayagebiet völlig abgemagert ist ihr 1924 endlich der große Triumph vergönnt. Sie betritt als erste europäische Frau die tibetische Hauptstadt und erkundet sie unentdeckt.

Durch lange Phasen der Meditation erlangt sie außergewöhnliche spirituelle Fähigkeiten. Ihre vielen Bücher, darunter „Mönche und Strauchritter“, „Mein Weg durch Himmel und Hölle“, „Magier und Heilige in Tibet“ faszinieren bis heute. Für mich sind sie einzigartige Zeugnisse einer den Europäern fremden Welt. Sie lesen sich als Abenteuerromane, als Forschungsberichte, als buddhistische Lehrwerke und enthalten viele wertvolle völkerkundliche Beschreibungen.

Mit der Ernennung zum „Ritter der Ehrenlegion“ zeichnet Frankreich sie für ihr Projekt Tibet aus. 1969 stirbt Alexandra hochbetagt, noch mitten in der Arbeit. In ihrer Villa „Samten Dzong“ („Festung der Meditation“) in Digne kann man der Schriftstellerin mit der Zinkbadewanne, dem Fotoapparat und dem ausgesprochen schwierigen Charakter noch immer auf beeindruckende Weise begegnen.

© Andrea Büschgens

Liebe Grüße,
Andrea
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Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon Stef Jerz » Mo 7. Mai 2012, 14:41

Klasse! Wieder eine neue Vorstellung! Dafür besonderen Dank! Habe von dieser Frau in einem Buch über Entdeckerinnen gelesen und freue mich, nun noch mehr über sie zu erfahren.
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Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon Hekate » Sa 12. Mai 2012, 10:30

Hallo liebe Stefanie,

nachdem ich mich nun auch hier zurecht finde, hab ich einen kleinen Text über Astrid Lindgren geschrieben. Ich hoffe, er passt dazu und wird gern gelesen.

Mit lieben Grüßen,
Simone


Astrid Lindgren (14. November 1907 – 28. Januar 2002)

Einmal so stark sein wie Pippi, einmal einen Sommer lang in einer Bärenhöhle leben wie Birk und Ronja, einmal mit einem Geist in das Land der Ferne fliegen wie Prinz Mio! Oft genug schlief ich als Kind mit der Wange auf einem der Bücher von Astrid Lindgren ein, nachdem ich noch bis spät in die Nacht darin gelesen hatte.

Als Astrid Anna Emilia Ericsson kam die spätere bekannteste Schriftstellerin Schwedens 1907 auf Näs bei Vimmerby zur Welt. Die glückliche Kindheit, die sie dort gemeinsam mit ihren drei Geschwistern verbrachte, war prägend für ihr Leben und ihre Erzählungen. Geborgenheit und Freiheit, das waren die beiden Begriffe, die Astrid Lindgren stets verwendete, wenn sie ihre ersten Lebensjahre beschrieb.

Geborgenheit und Freiheit, das waren auch die Dinge, die ich selbst beim Lesen in den Büchern von Astrid Lindgren fand. Die Geschichten schufen eine Atmosphäre der Geborgenheit für mich, egal ob sie im trauten Büllerbü oder im fernen Kirschtal spielten. Und sie ermutigten mich zur Freiheit, mein Leben nach meinen eigenen Bedürfnissen zu gestalten.

Andererseits waren aber auch eine frühe Schwangerschaft und die Tatsache, dass Astrid Lindgren ihren Sohn zu Pflegeeltern geben musste und ihn erst später zu sich holen konnte, einschneidende Ereignisse in ihrem Leben und lassen sich in ihren Büchern wieder finden.

So verarbeitete Astrid Lindgren in ihren Geschichten auch ernste Themen wie die Trennung von den eigenen Eltern, die Einsamkeit oder den Tod. Doch niemals tat sie dies mit übertriebener Sentimentalität. Und stets bot sie ihren kleinen und wohl auch großen Leserinnen und Lesern befriedigende Lösungswege an.

Heute schlucke ich manchmal heimlich ein paar Erbsen und hoffe, dass sich darunter eine oder zwei von den Zauberpillen Krummelus befinden. Das Erwachsen-werden hat sich nicht verhindern lassen. Aber wer weiß? Vielleicht hilft’s wenigstens gegen das allzu Erwachsen-sein.
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Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon Stef Jerz » Sa 12. Mai 2012, 11:34

Und schon wieder habe ich durch euch, etwas Neues über eine Autorin erfahren: Dass Lindgren ihr Kind weggeben musste, ahnte ich nicht. Tragisch.
Ihre tiefsinnigen Geschichten bekommen für mich damit eine Dimension mehr.
Den Schlusssatz deines schönen Textes, liebe Simone unterschreibe ich!


Viele Grüße und euch allen ein schönes Wochenende
Stefanie
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Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon ElisabethvanLangen » Di 31. Jul 2012, 09:14

Mittlerweile sind die Monate ins Land gegangen und ich frage mich ob du immer noch Artikel suchst. Die Aufgabe ist schon sehr reizvoll und ich hätte gleich 3 Autorinnen von denen ich berichten könnte/wollte.
Wahrscheinlich hab ich es überlesen...aber wohin soll man die Berichte senden?

LG
Elisabeth
ich schreibe, damit meine Träume weiterleben können.
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Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon Stef Jerz » Di 31. Jul 2012, 10:11

Ich möchte immer noch sammeln.
Mehrfache Beteiligung ist auf jeden Fall erwünscht, liebe Elisabeth. Also gerne her mit den gleich drei Artikeln :D
Das Ganze dann hier einstellen. Redaktionell bearbeitet wird erst, wenn qualitativ und quantitativ genügend für ein Buch zusammen gekommen sind.

Für den Druck und die Veröffentlichung des Buches habe ich mir die Edition Winterwork gedacht. Die haben schon für ein Biografieprojekt von mir gute Arbeit zu noch besserem Preis geleistet.

Liebe Grüße,
Stefanie
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