Kleiner Wettbewerb:

Hier alle Neuigkeiten und Aktionen der AV:
Projekte, Wettbewerbe und Stipendien

Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon Stef Jerz » Mi 7. Mär 2012, 14:31

Ich übernehme hier eine Schreibanregung aus einer Regionalgruppe der AV und starte damit mal einen privaten Wettbewerb.
Es geht darum einen kurzen und guten, aber kleinen Artikel über eure jeweilige Lieblingsautorin zu schreiben.
Mein großer Wunsch ist, das als Herausgeberin in Zusammenarbeit mit der AV als Leseanregung drucken zu lassen. Also strengt euch an, schreibt uns etwas Schönes hier in diesen Themenbereich. Die besten zwanzig kommen ins Büchle...
Ich verspreche niemandem großen Verdienst, aber den üblichen Autorenvertrag würde es natürlich geben.
Ich verspreche niemandem Ruhm und Ehre, dennoch ist es sicher ein schönes Gefühl in einer solchen Anthologie vertreten zu sein.
Ihr dagegen versprecht, dass der Text ganz bestimmt euer eigener ist und keinesfalls aus mehr als 300 Wörtern besteht.
Jetzt freue ich mich auf eure Postings und beginne ganz frech mit einem kleinen Text über meine Lieblingsautorin:

Margaret Atwood – * 18. November 1939 in Ottawa, Kanada

Von Natur aus mit einem harmoniesüchtigen Unwesen ausgestattet, sind die Bücher der Autorin Margaret Atwood für mich, seit über zwanzig Jahren, eine Offenbarung.
Nicht nur, weil sie, mit kanadisch-kühlem Durchblick, jede der von ihr beschriebenen Psychen mit sprachlicher Raffinesse zerpflückt. Nicht allein deshalb, weil mich in ihren Geschichten das auffällige, immer wieder kehrende „Grenzen ziehen“ und „Wehren“ als Gegenbild, zu meiner emotional gerne verschmelzenden Art, anzieht.
Sondern auch und gerade deshalb, weil Margaret Atwood ihre Helden und Heldinnen niemals allein in ihren meist zerstörten Innen- oder Außenwelten stehen lässt. Sie legt sie uns, ihren Lesern, immer aufs Neue vertrauensvoll in die Hände und ans Herz. Mit all den neuen Fragen, die sie uns in ihren Büchern stellt.

So verschlang ich Die Essbare Frau, um sie nach der Lektüre in mir gegen Vereinnahmung aufbegehren zu lassen,
Ich kämpfte an der Seite der historischen Grace Marks in Alias Grace, um anschließend über Opfer- und Tätermentalitäten zu grübeln, Ich verwischte Lady Orakels Spuren um mir selbst auf die Schliche zu kommen
und trauerte mit Oryx und Crake über die scheinbare Unmöglichkeit des Menschseins im Einklang mit der Natur.

Margaret Atwood ist mehrfach ausgezeichnet und in sämtlichen Genres zuhause.
In Science Fiction, Kinderbuch, Lyrik, Sachbuch oder Essays bezieht sie der Gesellschaft gegenüber Stellung. Als Frau, aus Sicht der Frau. Dies aber so umfassend und analytisch, dass man ihr Werk nicht als Frauenliteratur in eine Ecke abstellen mag.
Ihr schriftstellerisches Werk ist aufrecht politisch, stets wach am Puls der Zeit und dabei zeitlos gültig und ich hoffe, dass wir alle noch viel von der mittlerweile Siebzigjährigen Autorin lesen werden.
Es gibt nichts Gutes, außer frau tut es! - frei nach Erich Kästner
Benutzeravatar
Stef Jerz
Administrator
 
Beiträge: 300
Registriert: Do 26. Jan 2012, 14:32
Wohnort: Duisburg

Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon AndreaB » Do 8. Mär 2012, 18:55

Hallo zusammen,

ich würde darauf gerne mit folgendem kleinen Text zu meiner Lieblingsautorin antworten (mit 299 Worten so ganz knapp die Vorgabe eingehalten ... ;) )

Sigrid Undset (norwegische Autorin und Nobelpreisträgerin, *1882, +1949)

Wer im Jahre 1907, im Alter von 25 Jahren als ledige Frau sein Debütwerk mit den Worten beginnt „Ich habe meinen Mann betrogen“ („Frau Marta Oulie“), der musste schon sehr viel Mut haben. Auch 1911 in den Roman „Jenny“ eine erotische Szene einzubauen, sorgte damals für einen empörten Aufschrei, fasziniert mich aber heute noch. An Mut hat es Sigrid Undset im Leben nie gefehlt. Mut hat sie bereits bewiesen, sich mit ihren provokanten Frauenthemen erste Bucherfolge samt Auslandsstipendium in Rom zu erschreiben. Mutig war sie, nach kurzer Ehe Anfang 1920 Anders Svarstad mit drei Kindern zu verlassen und sich eine selbstständige Existenz aufzubauen - deutlich erfolgreicher als der Maler. Ganz besonderen Mut aber brauchte sie noch einmal am Lebensende. Ihr Engagement in der Widerstandsbewegung gegen die Nationalsozialisten zwang sie 1940 zu einer waghalsigen Flucht aus Norwegen in die USA. Trotz Krieg und dem Verlust zweier Kinder schaute sie von dort positiv mit ihrem letzten Buch „Wieder in die Zukunft“ - bewundernswert!

Emanzipiert, umfassend gebildet, sprachlich ausdrucksstark und mit viel psychologischem Feingespür ausgestattet erschuf Sigrid Undset konflikt- und spannungsgeladene Mittelalterromane wie auch Gegenwarts- und Ehedramen. Sie konnte reichlich aus eigener Erfahrung schöpfen. Ich stelle überrascht fest: so viel hat sich seitdem auch nicht verändert. Kristin Lavranstochter hat mich am meisten gepackt. Sigrid Unset lässt mich mit ihr kämpfen und durch sie leiden. Verdient erhielt sie dafür 1928 den Nobelpreis. In ihren Hauptfiguren finde und spüre ich immer sie selbst. Nur ihre emotionale Auseinandersetzung mit dem Katholizismus, ungewöhnlich in Norwegen, bleibt mir fremd. Ihre Werke sind in Deutschland nach 1945 kaum wieder aufgelegt worden, leider! Denn egal, ob man sich mit ihren Themen noch identifizieren kann oder nicht, ob sie provozieren, langweilen oder gelegentlich ins Pathos abgleiten, haben sie ihren hohen literarischen und zeitgeschichtlichen Wert bis heute behalten.

© Andrea Büschgens
LG
AndreaB
 
Beiträge: 15
Registriert: Mi 7. Mär 2012, 18:52
Wohnort: Düsseldorf

Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon Stef Jerz » Fr 9. Mär 2012, 07:56

Wow! Klasse! Ihr Lieben da draußen: Ihr seht, wie so etwas aussehen kann. MEHR DAVON!!!!!! :D
Es gibt nichts Gutes, außer frau tut es! - frei nach Erich Kästner
Benutzeravatar
Stef Jerz
Administrator
 
Beiträge: 300
Registriert: Do 26. Jan 2012, 14:32
Wohnort: Duisburg

Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon Nicole Neubauer » Fr 30. Mär 2012, 20:38

Liebe Stef,

ich bin gerade neu dazugekommen und habe diese Aufgabe entdeckt. Ist das noch aktuell? Wenn ja, würde ich gern etwas über die wunderbare Banana Yoshimoto schreiben. Oder bin ich schon zu spät und das Leben hat mich bestraft? ;)
Nicole Neubauer
AV-Mitglied
 
Beiträge: 3
Registriert: Mi 21. Mär 2012, 23:03

Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon Stef Jerz » Mo 2. Apr 2012, 20:53

Ja! Gerne! Bitte! Ich sammle solange, bis ausreichend zusammen sind! Kein Einsendeschluss! Also gerne her damit :)
Es gibt nichts Gutes, außer frau tut es! - frei nach Erich Kästner
Benutzeravatar
Stef Jerz
Administrator
 
Beiträge: 300
Registriert: Do 26. Jan 2012, 14:32
Wohnort: Duisburg

Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon Nicole Neubauer » Mo 2. Apr 2012, 22:27

Vielen Dank, dann mache ich das, das wird mir Spaß machen :) Was für eine schöne Idee!
Nicole Neubauer
AV-Mitglied
 
Beiträge: 3
Registriert: Mi 21. Mär 2012, 23:03

Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon ankelaufer » Mi 4. Apr 2012, 12:39

Hallo Ihr Lieben,
schöne Idee, finde auch ich. Ich habe momentan zwei auf der Liste und muss mich noch entscheiden. Vielleicht Claire Keegan - die Frau, die mich mit ihrer Prosa in den letzten Jahren am meisten beeindruckt hat. Oder aber die etwas rätselhafte Yoko Ogawa, über die man nur so magere biografische Angaben findet und deren leise Geschichten so viele unheimliche, sogar grausige Unterströmungen aufweisen? Vielleicht wollt ihr abstimmen - welche interessiert euch mehr? fragt Anke Laufer.
ankelaufer
 
Beiträge: 1
Registriert: Di 3. Apr 2012, 08:48

Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon forumAdmin » Mi 11. Apr 2012, 12:12

Liebe Anke,
wie wäre es, du stellst beide in den Wettbewerb? Spricht ja nix dagegen, wenn du mit zwei Beiträgen in einer Anthologie vertreten wärst. :D
Ich jedenfalls würde sehr gerne über beide etwas erfahren.
Herzliche Grüße
Stefanie
forumAdmin
 
Beiträge: 134
Registriert: Do 26. Jan 2012, 13:08

Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon Inge Lütt » So 15. Apr 2012, 23:12

Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf – * 20. November 1858, † 16. März 1940

Lesen noch viele Kinder Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen? Für mich ist gerade dieses Erdkunde- und Moral-Schulbuch eines der schwächeren Werke Selma Lagerlöfs.

Wenn es um das eine Buch für die Insel ginge, die Wahl fiele mir schwer. Jerusalem: Eine Dorfgemeinschaft zerbricht fast, als sich ein Teil der Bewohner aufmacht ins Heilige Land. Das Buch ist eine Sammlung von Episoden, aus dem sich die große Saga erst allmählich zusammensetzt. So hatte Selma Lagerlöf bereits ihren ersten Roman aufgebaut: Gösta Berling. Was für eine Geschichte! Ein Pfarrer scheitert an seinen eigenen Ansprüchen und irrt nun rastlos durch Schweden.

Selma Lagerlöf selbst scheint ihr Leben lang auf der Flucht gewesen zu sein. Das Lesen ließ das gehbehinderte Mädchen in die Welt der Sagen und Märchen entkommen, die Ausbildung zur Lehrerin sorgte dafür, dass sie nicht daheim den Haushalt führen musste. Als sie mit Gösta Berling Erfolg hatte, konnte sich Selma Lagerlöf endlich ganz auf das Schreiben konzentrieren. Doch noch immer gab es für sie nicht das Leben, wie sie es sich wünschte. Weder mit Sophie Elkan noch mit Valborg Olander war ihr eine dauerhaft glückliche Beziehung vergönnt.

1909 erhielt sie als erste Frau den Literaturnobelpreis, wegen „des edlen Idealismus, des Phantasiereichtums und der seelenvollen Darstellung, die ihre Dichtung prägen“ (Zitat Wikipedia). Dabei verwendet sie eine Sprache, die naiv und kunstlos scheint. Doch besonders in den alten Übersetzungen entwickeln die so schlicht erzählten Geschichten einen eigentümlichen Sog, dem ich mich gar nicht entziehen will. Vielleicht liegt es daran, dass die Hauptfiguren nur beinahe Menschen sind wie Du und ich? Sie alle sind ein bisschen „größer“ – in ihren Verirrungen, ihrer inneren Stärke, in ihrem Glauben wie in ihren Zweifeln. Und noch aus der letzten Nebenfigur spricht große Menschenliebe. Mit einem Buch von Selma Lagerlöf überstehe ich jede Insel.
Wer einmal aus dem Schrank raus ist, passt nicht mehr in eine Schublade.
Inge Lütt
 
Beiträge: 4
Registriert: Mo 5. Mär 2012, 09:48

Re: Kleiner Wettbewerb:

Beitragvon Stef Jerz » Mo 16. Apr 2012, 04:36

Super, liebe Inge! Ich sehe schon: Was hier entsteht gefällt mir!
Ich mag gern, dass hier Autorinnen aus ganz persönlicher Sicht dagestellt und vorgestellt werden.
Mehr! Und wie oben schon erwähnt: es dürfen auch mehrere Portraits aus der gleichen Feder stammen. :D
Es gibt nichts Gutes, außer frau tut es! - frei nach Erich Kästner
Benutzeravatar
Stef Jerz
Administrator
 
Beiträge: 300
Registriert: Do 26. Jan 2012, 14:32
Wohnort: Duisburg

Nächste

Zurück zu Die AV präsentiert archiviert

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron